Vorwort

Am 14. September 1995 bot die 56. Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt/Main ein ungewöhnliches Bild: Auf den Limousinen verschiedener Pkw-Fabrikate waren große Plakate mit Dinosauriern montiert, die enorme Mengen Treibstoff aus einer riesigen symbolisierten Tanksäule saufen. Unter dem Slogan "Die Hälfte ist machbar - jetzt!" wies die Umweltschutzorganisation "Greenpeace" auf die dringende Notwendigkeit der Produktion der sogenannten Drei-Liter-Autos hin. Die Umweltaktivisten von "Greenpeace" bedienten sich damit eines alten Klischees, welches die Dinosaurier als Inbegriff für ein Auslaufmodell der Evolution darstellt, als etwas Überholtes, dem Untergang Preisgegebenes.

Dieses klassische Bild vom altmodischen, behäbigen Saurier, der in den Sümpfen haust, wurde jahrzehntelang durch die Paläontologie immer wieder gezeichnet. Der deutsche Humorist Heinz Erhardt verarbeitete es zu dem eingangs zitierten Gedicht. Heute wissen wir jedoch vieles besser, und müssen uns von vielen der althergebrachten und mitunter liebgewordenen Vorstellungen trennen. Nach unserem heutigen Kenntnisstand waren die Dinosaurier eine hochentwickelte Tiergruppe, der es wie keiner anderen Gruppe vor ihnen gelang, über 160 Millionen Jahre lang das Faunenbild unserer Erde entscheidend zu bestimmen. Sie waren keineswegs überholt und dem Untergang geweiht. Sie starben nicht etwa aus, weil sie dem Aufkommen einer fortschrittlicheren Tiergruppe, den Säugetieren, nicht gewachsen, sozusagen zu tief in die Kreide gekommen waren. Sie entstanden sogar etwa um die gleiche Zeit wie die Säuger, waren zunächst bedeutend erfolgreicher als jene und verdrängten unsere Vorfahren über viele Jahrmillionen hinweg in Kleinstlebensräume. Wären die Dinosaurier nicht ausgestorben, würde es uns Menschen nicht geben!

 

Der Saurier

Es war einmal ein schauriger,

urzeitgemäßer Saurier.

Er wohnte tief in den Morästen

und hatte keinen Drang nach Westen,

auch nicht nach Süden, nicht nach Norden,

drum war auch nichts aus ihm geworden.

So sehr man es bedauerte,

der Saurier versauerte.

Da er auf jeglichem Gebiete

nichts weiter war als eine Niete,

beschloß er kurz, sich zu verfärben

und für die Nachwelt auszusterben. -

Das war, führwahr, ein trauriger

und zeitgemäßer Saurier!

Heinz Erhardt

(1976)

 

Ihr Aussterben ist sehr rätselhaft und hat bereits viele Generationen von Wissenschaftlern interessiert. Eine ungeheure Vielzahl von ernsthaften Theorien und z.T. grotesken Vermutungen wurde bisher aufgestellt, um ihren Untergang zu erklären. Wir sind heute weit davon entfernt, den Säugetieren den entscheidenden Anteil für das Aussterben der Dinosaurier zuzusprechen, obwohl sie sicher wie keine andere Tiergruppe davon profitierten. Viel eher zeichnet sich ein Szenario für das Aussterben der Dinosaurier ab, das dem aufmerksamen Beobachter nur allzu gut bekannt sein dürfte: "Treibhauseffekt", "Ozonloch" und "Saurer Regen", hervorgerufen durch enorme vulkanische Aktivität oder durch den Impakt eines größeren Himmelskörpers auf der Erde, verursachten wahrscheinlich drastische klimatische Veränderungen, denen die Dinosaurier nicht gewachsen waren. Mit den gleichen Problemen hat auch der moderne Mensch und unsere heutige Natur zu kämpfen. Diesmal müssen allerdings die Errungenschaften unserer Zivilisation für die Entstehung dieser Umweltschäden verantwortlich gemacht werden. Weitreichende Klimaveränderungen, die am Ende der Kreidezeit für das Aussterben der Dinosaurier verantwortlich waren und die die Säugetiere damals überstanden hatten, bedrohen heute unsere Existenz.

Den "Greenpeace"-Aktivisten sei es verziehen, daß sie ein wissenschaftlich falsches Bild zur Veranschaulichung der dringenden Notwendigkeit der Entwicklung benzinsparender und damit umweltfreundlicher "Öko-Autos" verwendeten. Immerhin ermahnen sie uns damit zu einem die Umwelt schonenden Verhalten.

Die Dinosaurier erreichen gegenwärtig einen neuen Höhepunkt in ihrer Popularität. Immer wieder erscheinen neue Bücher über diese faszinierenden Tiere. Zeitungen widmen ihnen kleinere und größere Artikel. Als Schmusetiere stehen die Dinosaurier in den Kinderzimmern und als Roboter können sie in zahllosen Wanderausstellungen betrachtet werden. Den Gipfel des sogenannten "Dino-Booms" stellt jedoch Steven Spielbergs Film "Jurassic Park" dar, in dem einige Dinosaurier mit Hilfe gentechnischer Methoden zu neuem Leben erweckt werden. Im Zuge der Kommerzialisierung dieses Themas entstehen jedoch viele falsche Vorstellungen und Erwartungen, die das Bild der Dinosaurier, welches Paläobiologen in jahrzehntelanger Forschungsarbeit aufgebaut haben, verzerren.

Anliegen der vorliegenden Website es, den derzeitigen Wissensstand über die Biologie dieser faszinierenden Tiere zusammenzufassen und in einer neuen Weise darzustellen.