Wie lebten die Dinosaurier?

Allgemeines

Ein Biologe, der sich mit einer bestimmten Tierart oder -gruppe auseinandersetzt, untersucht zunächst deren Morphologie und Physiologie. Dazu steht ihm in der Regel vollständiges Material zur Verfügung. Er kann u.a. die entsprechenden Organismen sezieren, ihren strukturellen Aufbau kennenlernen und die Funktionsweise der einzelnen Strukturen experimentell ergründen. Darüber hinaus ist es ihm möglich, die Lebewesen unter natürlichen Bedingungen in ihrem Verhalten zu beobachten, die Beziehungen zu ihrer Umwelt kennenzulernen und damit Aussagen zur Ethologie und Ökologie zu machen. Eine derartige Vorgehensweise ist aber immer nur dann möglich, wenn Individuen der zu untersuchenden Tierart als lebende Untersuchungsobjekte verfügbar sind und gestaltet sich mitunter auch dann noch recht schwierig. Viel problematischer dagegen ist es, gesicherte Aussagen über die Lebensweise und Physiologie von Tieren zu machen, die bereits seit Millionen von Jahren ausgestorben sind, von denen wir lediglich Kenntnis haben, weil von ihnen zufällig Fossilien gefunden worden. Die Abbildungen auf den folgenden Seiten erklären kurz, was Fossilien sind und wie sie entstehen.

Die Fossilien von Dinosauriern sind oftmals die Hauptattraktionen der sie beherbergenden Museen. Ihre Skelette werden bewundert und bestaunt, und man fragt sich, wie wohl diese Tiere lebend ausgesehen haben, was sie fraßen, wie sie sich vor Feinden schützten, wie sie sich fortpflanzten. Leider hat noch kein Mensch einen lebenden Dinosaurier in seinem Verhalten beobachten können, und so bleibt uns nichts anderes übrig, als die Antworten auf diese Fragen in den fossil überlieferten Knochen und den Spuren der Tätigkeit (Lebensspuren wie Fährten, Eifunde, Fraßspuren u.a.) dieser faszinierenden Tiere zu suchen.

Tiere leben niemals für sich allein, sondern stehen immer in Wechselbeziehung mit den biotischen und abiotischen Faktoren ihrer Umwelt. Um die Lebensweise eines fossilen Tieres richtig zu rekonstruieren, sind Kenntnisse über dessen Umgebung unentbehrlich. Auf Grund der Lückenhaftigkeit der fossilen Überlieferungen sind uns jedoch allzu häufig die damaligen Verhältnisse nur in geringem Maße bekannt. Tausende oder gar Millionen von Lebewesen, die in den jeweiligen geologischen Epochen gelebt haben, sind manchmal lediglich durch ein einziges Skelett oder auch nur durch ein kleines Knochenfragment überliefert geblieben. Wieviele Formen haben überhaupt keine fossilen Spuren hinterlassen?

Gerade auf dem Gebiet der Paläobiologie bestehen demnach viele und oft gegensätzliche Ansichten zu einem bestimmten Punkt. Wissenschaftler haben wie alle Menschen vorgefaßte Meinungen und Idealbilder, die entscheidend ihr Urteilsvermögen beeinflussen können. Argumente, die diesem Bild entsprechen, werden von ihnen weniger kritisch "unter die Lupe genommen", als widersprechende Ansichten. Andererseits treiben konkurrierende Meinungen die Wissenschaft voran und regen auf Grund ihrer Widersprüchlichkeit kreatives Denken an. Einmal geäußerte Ideen, die noch nicht ausgereift sein müssen, werden von den verschiedenen Wissenschaftlern von den unterschiedlichsten Standpunkten aus diskutiert, um wichtige Details ergänzt oder wieder verworfen. Selbst im Falle der Ablehnung tragen sie dazu bei, neue Erkenntnisse zu gewinnen, die oft auch auf andere Wissensgebiete befruchtenden Einfluß ausüben. Demzufolge ist jede, wenn nicht gar zu abwegige Idee im wissenschaftlichen Meinungsstreit willkommen.